Ein Wort aus dem Kisuaheli-Unterricht werde ich nie mehr vergessen. Es ist leider nicht so wohlklingend wie Wimbo (Lied), Kuku (Hühnchen), Tango (Gurke) oder Bata (Ente). Nein, wenn dieses ominöse Wort genannt wird, drehen sich die Amerikaner zu mir, dem Jerumani, dem Deutschen, um und grinsen frech. Dabei ist es nur das Wort für Kokosnuss. Es lautet auf Kisuaheli: Nazi.

Anfangs war es noch lustig, vor allem, wenn ich danach mit verstellter Stimme weitergesprochen habe. Inzwischen sähe ich die Amerikaner gern an Bord des nä chsten Rosinenbombers Richtung Home, sweet Home.Womöglich ist das aber nur Neid. Denn die vier Amis sind auf jede Stunde perfekt vorbereitet und stellen Grammatik-Fragen, bei denen ich noch nicht einmal die Vokabeln verstehe. Geschweige denn die Grammatik.

Rätsel gibt auch das Wetter auf. Die Regenzeit hat einen Monat früher begonnen als erwartet, es gießt seit Tagen in einem durch. Aus den Staubpisten sind Schlammbahnen geworden. Die Fahrt im Daladala dauert noch länger als sonst, und da alle zwangsläufig massig Schlamm an den Schuhen haben, ist es ein großer Fehler, eine helle, schmutzempfindliche Hosen zu tragen. Den Fehler habe ich nur einmal gemacht. Jetzt, wo ich diese Worte schreibe, sitze ich in Badelatschen am Schreibtisch, die ich leihweise vom Schuhputzer unten vorm Büroeingang bekommen habe. Dieser schlägt sich gerade mit meinen schlammbraunen Lederschuhen herum.

Der Regen bringt aber noch weitere Probleme mit sich. Zum Beispiel werden die Unterhosen und Socken, die ich gestern Abend von Hand gewaschen und auf die Leine gehängt habe, wohl kaum trocknen. Das ist blöd, weil ich ALLE Unterhosen und Socken waschen musste (bis auf jene, die ich trage) und wir am morgigen Feiertag mit ein paar Leuten im Arusha Nationalpark auf Safari und wandern gehen wollen.

Wetterproblem, das dritte: Für Arusha sind in den nächsten Tagen starker Regen und Sturmböen angesagt. Der gesamte Spaß – Freitag Safari, Samstag Wandern am Mount Meru im Nationalpark – kostet 200 Dollar pro Person. Die anderen Mitreisenden sind Studentinnen; sie überlegen sich gerade, ob es angesichts der Wetterprognosen (und überhaupt) das Geld wert ist. Was mich wiederum zu der Überlegung bringt, ob es dann die tagelange Herumtelefoniererei und Organisation wert war, wenn alles einen Tag vorher abgesagt wird. Wir diskutieren das beim Mittagessen.

Das Mittagessen wird eine große Runde. Dahinter verbirgt sich eine wirklich tolle Geschichte, die mich die nächste Woche ordentlich auf Trab halten wird. Denn für nächsten Samstag, 22. Oktober, organisiere ich gemeinsam mit Meshack, einem 24-jährigen Einheimischen und Gründer eines Jugendtreffs, einen “bunten Nachmittag”. Dieser Nachmittag beinhaltet ein Fußballturnier mit 12 Waisenhaus-Mannschaften, ein Fußballfreundschaftsspiel zweier Teams von Jugendtreffs sowie mittendrin einen großen “Showblock” mit Tanz, Gesang, Akrobatik und Schauspiel der Waisenhaus- und Jugendtreffkinder. Darauf bin ich besonders gespannt. Meshack und seine Schützlinge studieren Vorführungen ein, zum Beispiel etwas mit Trommeln und Tanz (soviel habe ich schon herausgefunden), die Tuleeni-Kinder singen etwas vor, und dann schicken zwei Waisenhäuser zwei Mädchen, die angeblich schon in den USA waren mit ihrer Nummer – sie sind Springseil-Profis! Was auch immer das ist – klingt toll, oder?

Ich erhoffe mir von den Nachmittag gleich mehrere Dinge: Dass Meshack und Amani, die beiden Jugendtreff-Leiter, in Zukunft etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Beide sind sehr jung, sehr engagiert und haben tolle Visionen. Während Meshack Bewegung (Tanz, Akrobatik) als pädagogischen Ansatz wählt, hat sich Amani der Aids-Aufklärung verschrieben, für die er seine Kinder sensibilisiert und in die er sie als “Botschafter” einbindet. Außerdem erhoffe ich mir, dass die Waisenhaus-Kinder das “Leben da draußen” mitbekommen und diese Veranstaltung für sie eine Art Initialzündung ist, sich für eine Sache oder etwas Künstlerisches zu begeistern. Und schließlich würde es mich freuen, wenn die Volontäre, die länger hierbleiben als ich, Nachmittage wie diesen fortführen. Denn bislang wurschtelt jeder in seinem eigenen Projekt vor sich hin.

Nun ist auch klar, warum unser heutiges Mittagessen in größerem Rahmen stattfindet – ohne die Hilfe der anderen Volontäre ist der ganze Nachmittag nicht zu stemmen. Meshack bringt allein 100 Kinder mit, ich rechne mit weiteren 200 Kids, die Fußball spielen, etwas vorführen oder einfach nur so kommen. Die nächste Woche wird also davon geprägt sein, für mindestens 300 Leute Essen und Getränke zu besorgen, Thekenhilfen und Schiedsrichter einzuteilen, Musik und Mikrophon zu leihen, Pokale aufzutreiben und, und, und.

Womit wir wieder beim Wetter wären. Das ist nicht planbar. Doch bislang bin ich in Tansania mit der kölschen Weisheit “Et hätt noch immer jot jejange” bestens gefahren. Warum nicht auch diesmal?

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3 Comments

  1. huch, da liest man mal ein paar tage nicht und schon hattest du beinahe malaria und berichtest über zwei zwillingsbrüder (sorry, das thema ist mehr als schokierend, aber bei zwei zwillingsbrüder musste ich dennoch schmunzeln, herr redakteur 🙂 ). und jetzt regnet es auch noch. willkommen im club kann ich da nur sagen, wenn ich hier aus dem fenster blicke.

    viel erfolg bei den vorbereitungen fürs wochenende, ich halt es aber anstatt mit kölle mit meinem ländle und deinem vfb: “Mir kenned alles.. außer hochdeutsch”. das wird super werden!

    glg
    maria

  2. Et hätt noh immer jot jejange, Olaf! Du schlägst Dich ja echt wacker, Olaf! Weiter so … kuitunza! Und wenn’s mit der Safari nicht klappt – oder am Sonntag in Müngersdorf schiefgeht – hat der Rheinländer noch einen weiteren Sinnspruch parat: Do wießt nie, wozu ed jood ess!

    Maat et joot!

    Zeesinho

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